Wenn die Trommeln rufen – wie man 1000 Wörter in 30 Minuten schreibt.

Wenn die Trommeln rufen – wie man 1000 Wörter in 30 Minuten schreibt.

Seit einigen Tagen mache ich Morgendes um 5.30 bei #30thoosch mit. Also der Schreibchallenge von schriftstellerwerden.de. Zusammen mit Jacky schreiben wir gleichzeitig 45 Minuten an unseren Projekten. Mein ambitioniertes Ziel ist immer, 1000 Wörter vor dem Frühstück zu schaffen. Dafür brauche ich meistens 30 Minuten, schaffe daher in 45 noch ein bisschen mehr. Irgendwas zwischen 1500 oder 1700.
Ein paar Mal wurde ich gefragt, wie ich das mache und hier nun eine ausführliche Antwort!

Dazu sei gesagt, dass ich, obwohl ich vielleicht eigentlich gerade ein Mauskript überarbeite, trotzdem die Morgenstunde nutzen, um zu tippen! Ich finde gerade, wenn der Geist noch nicht ganz wach ist und vielleicht noch ein paar Träume darin kleben, fließen die Wörter nur so heraus, weil der inneren Kritiker auch noch im Schlafanzug dasitzt. Bevor der sich seinen Kaffe holt und wach wird, bin ich schon längst fertig mit den 1000 Wörtern. Tschka!
Also schreibe ich morgens, wenn ich nicht gerade den ersten Entwurf schreibe, Szenen neu die mir nicht gefallen, Gedichte, Kurzgeschichten, Blogartikel, Gedanken, Träume oder Hintergrundstorys.
Mit dem Überarbeiten starte ich dann gerne etwas später, wenn ich richtig wach und aufmerksam bin.

Doch wie komme ich jetzt zu den 1000 Wörtern?
Hier kurz und knapp sechs Tipps, um morgens schnell so richtig in Fahrt zu kommen. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen ja, sein Tempo etwas zu erhöhe und mehr Routine zu bekommen.

  1. Vorbereitung

Wenn bei mir der Wecker klingelt, springe ich oft wie Spongebob supermotiviert aus dem Bett, schmeiße sofort den Laptop an und setzte Tee auf.
Aber nicht jeder ist ein Frühaufsteher so wie ich. Wenn du morgens Hundemüde bist, ist Vorbereitung umso wichtiger.
Wenn schon alles griffbereit da steht, der Laptop, das Teewasser, dein Notizbuch ist die Hürde nieriger überhaupt anzufangen.
Außerdem hilft es sehr am Abend vorher, einfach ein paar Stichpunkte für den Morgen aufzuschreiben.

Außerdem hilft es sich natürlich eine ablenkungsfreie Zeit zu schaffen. Für mich zählt dazu vor dem ersten Schreiben weder das Handy in die Hand zu nehmen noch in mein Postfach zu schauen. Sonst ist man mit den Gedanken irgendwo in Whatsapp Nachrichten verstrickt, die auch locker noch ne halbe Stunde warten können.

  1. Wenn die Trommeln rufen.

Für mich gehört Musik zum Schreiben dazu. Man kann mit Musik maßgeblich beeinflussen, wie schnell man schreibt. Schnelle Musik= schnelles Tippen.
Ich habe bei Spotify Playlisten gebastelt, die genau 30 Minuten lang sind und ein bisschen nach Genres und Stimmung sortiert sind. Ich setzte mir Kopfhörer auf, damit ich ganz abtauchen kann und los geht es!
Morgendes um 5.30 höre ich allerdings immer dieselbe Playlist.
Sie besteht skurrilerweise aus Trommelmusik, die ich mal für eine Szene gespeichert habe in der es um Schamanen ging. Ich schreibe längst an einem anderen Buch, das mit Trommeln gar nichts am Hut hat, aber der Rhythmus der Trommeln eignet sich einfach extrem gut zum Tippen.
Das funktioniert mittlerweile ähnlich wie bei meinem Hund, der anfängt zu sabbern, wenn ich seinen Napf in die Hand nehme. Höre ich den ersten Trommelschlag, strömen die Wörter sofort aus mir heraus und ich habe sofort den Impuls zu schreiben.

Bei euch muss es vielleicht keine Trommelmusik sein, aber irgendwas schnelles mit gutem Rhythmus. Am besten ohne Stimme damit man nicht mitsingt und im tüddel kommt.

  1. Motivationskekse

1000 Wörter = 1 Keks. Oder etwas Schokolade oder eine Yogaeinheit oder was einem sonst so gefällt. Es funktioniert erstaunlich gut sich selbst mit etwas zu locken. Hab ich nach 30 Minuten nur 800 Wörter fehlen ja nur noch 200 um einen superleckeren Cookie mit weißer Schokolade und Nüssen futtern zu können. Also werden die fehlenden fix noch getippt. Ihr könnt natürlich selbst entscheiden ob ihr lieber bei 500 Wörtern oder 800 oder 2000 eine Belohnung an auch selbst verteilt. Hauptsache sie fordert euch etwas heraus.

  1. Unbedingt Fehler machen!

In meinem ersten Entwurf wimmelt es nur so von Rechtschreibfehlen und merkwürdigen Formulierung, Szenen die später wieder rausfliegen und sonstigem Mist. Kein Problem. Ich kümmer mich überhaupt gar nicht darum, während ich schreibe. Das ist was für die Überarbeitung. Schreiben ist Schreiben und Überarbeiten ist Überarbeiten! Ich halte auch nicht an und lese, was ich drei Sätze vorher geschrieben habe. Ich bleibe im Flow und schreibe immer schön weiter.

  1. Keine Recherche!

Recherche kostet immer mehr Zeit, als man denkt. Mal eben einen tollen Namen für eine Nebenfigur raussuchen, die überraschend aufgetaucht ist, kann dann doch ewig dauern.
Ich benutze da gerne Jackys Methode mit dem xxx File. Einfach mitten im Text eine Notiz für dich schreiben (xxxname raussuchen) und ihm entweder einfach Klaus nenen als Platzhalter oder fröhlich weiter xxx in den Text setzen, um das ganze dann in Ruhe in der Überarbeitung auszubügeln.

  1. Goldwäscher spielen.

Selbst wenn man gar keine Idee im Kopf hat, wie es weiter geht, kann man noch immer eine Schreibflut machen, um die Wörter zu locken.
Du machst ein neues Dokument auf und schreibst dir einfach alles von der Seele, was in deinem Kopf herumschwirrt. Und das ohne Pause und ohne Rücksicht auf Verluste! Du darfst Schimpfen und Fluchen oder dich wiederholen. Egal. Niemand wird das je lesen außer du selbst.
Nach dem die Seite voll ist, kannst du nachschauen, was in deinem Kopf vor sich geht, was dich wirklich beschäftigt. Das ist beinahe eine meditative Übung und macht einen oft auch ruhig und klar im Kopf.
Und ich verspreche fast immer verstecken sich in den wirren Sätzen echte Ideen, die nur noch ausgesiebt werden müssen. Sei ein Goldgräber der seine Pfanne schwenkt, um ein paar goldene Funken darin zu finden. Es lohnt sich 🙂

Das sind die 6 Tricks, die ich immer anwende und die mir super helfen, um jeden einzigen Tag mindestens 5 Seiten zu schreiben!
Wer Lust hat zu wissen, wie man mit ähnlichen Methoden gleich 10.000 Wörter am Tag schafft, kann sich mal das Interview anschauen, was ich mal zu dem Thema gegeben habe.

Ich wünsche euch eine schreibreiche Zeit!

2 thoughts on “Wenn die Trommeln rufen – wie man 1000 Wörter in 30 Minuten schreibt.

  1. Ilka Schulze says:

    Da ich einen Teil deiner Ratschläge befolge, möchte ich hier einmal kurz bestätigen: Ja es funktioniert! Dank deiner Ratschläge habe ich es geschafft meine Geschwindigkeit von 1000Wörtern/Stunde auf 1600Wörtern/Stunde zu steigern. 👍 Und die Notizen, die ich mir nun abends immer mache, um morgens gleich einsteigen zu können, ziehen mich tatsächlich auch immer wieder tagsüber zum Schreiben an den Rechner. 😃

    Vielen Dank, für den schönen Artikel. 😊 Ich werde die anderen Tipps auch noch mal antesten!

    Ganz liebe Grüße,
    Ilka

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