Gedankenanstoß: Es gibt von allem zu viel!

Es gibt von allem zu viel!

Am liebsten würde ich mich um alles kümmern. Wenn ich Bilder von hungernden Kindern sehe oder Kriegstreiber die unschuldig als Schutzschild benutzen. Denn es gibt zu viel Leid. Oder die von Armut betroffenen Menschen in Deutschland!
Und dann die Tiere in Massenhaltung. Verwaiste Hundebabys. Ausgesetzte Haustiere, gequälte unschuldige Seelen. Ich könnte einen Gnadenhof aufmachen und alle zu mir holen.
Es gibt zu viel Marmelade im Supermarkt, es gibt zu viele Rezepte, die ich ausprobieren will, so viele Reiseziel zu denen ich unbedingt muss, es gibt zu viele Bücher, die schlafen.
Zu viele Ideen auf Pinterest zu viele Geschichten, die geschrieben werden müssen.
Mir schwirrt schon wieder der Kopf.

Doch Manchmal weiß ich nicht wo ich anfangen soll und am Ende mache ich mal wieder Garnichts, weil ich so beschäftigt damit bin mir Informationen anzulesen und Möglichkeiten abzuwägen das ich vergesse zu leben.
Sicher kennst du das auch.

Gestern habe ich die Internetseite des Fotografen Jimmy Nelson gefunden und war sofort gefesselt.
Der Fotograf hat es sich zum Projekt gemacht abgelegene Völker auf der Welt zu besuchen und zu fotografieren. Ich empfehle jeden einmal rein zuschauen. Es ist atemberaubend. Zauberhaft. Bewegend.

Was hat das Betrachten der Bilder mit mir gemacht?
Ich habe mich daran erinnert, wie wichtig es ist, wieder mal auf die Wurzeln des Menschseins zurückzublicken.

Und was einschlägt wie eine Bombe ist die Erkenntnis, wie Paradox alles ist, was mich aktuell umgibt. Wenn wir hier in den reichen Industrieländern unser Leben vergleichen mit dem eines Menschen aus einem Naturvolk.

Wir haben große Häuser, doch sie sind leer und still.
Sie haben kleine Hütten aber feste Gemeinschaften.

Wir haben Strom und tausend Lampen.
Sie haben das Sternenzelt und ein knisterndes Lagerfeuer

Wir haben Medien, Zeitungen und Informationen.
Sie kennen die geheimen Geschichten, die von Ohr zu Ohr geflüstert werden.

Wir gehen bei jedem Anzeichen einer Erkältung zum Arzt und lasen uns mit Pillen, Salben und Chemikalien behandeln.
Sie kennen die heilenden Kräfte der Gedanken und der Natur. Sie macht das Leben widerstandsfähig statt weinerlich.

Wir stopfen uns mit Fertigprodukten und Süßigkeiten voll, werden dick und unbeweglich.
Sie ernähren sich von dem was sie selber ernten, jagen, fangen oder sammeln.

Wir haben Geld um uns Dinge zu kaufen und sie gleich wieder wegzuwerfen.
Sie wissen jeden Gegenstand, den sie Besitzen, wertzuschätzen und zu bewahren.

Wir führen ein bequemes Leben mit gepolsterten Sesseln, Sofalandschaften, Fahrzeugen, Kissen, Stühlen und Betten und beschweren uns, wenn die Diät nicht anschlägt.
Sie sind den ganzen tag draußen und leben.

Wir laden uns Musik mit Naturgeräuschen herunter, um uns zu entspannen.
Sie schlafen unter Sternen lauschen den wilden Tieren, dem Regen auf den Hüttendächern.

Ich könnte ewig so weiter machen. Meine wichtigste Erkenntnis aus diesem Gedankenspiel ist, wie arm wir eigentlich sind, im Vergleich zu den ursprünglichen Menschen, die dicht beieinander in der Natur leben und sich alles Teilen.

Es weckt eine Sehnsucht in mir die ich schon lange in mir trage und gibt mir einen gewaltigen Gedankenanstoß.
Ich sehne mich nach einem Leben, das frei ist von Gerümpel, dichter dran an der Natur, frei von Dauerbeschallung und bequemen sitzen … Geht es dir auch so?

Und dich wichtigste Teil der Botschaft, die die Bilder aussenden, bleibt für mich:

Schenke Zeit all denen mit denen ihr Zusammen seit. Eure Gemeinschaft. Eure Familie und Freunde. Denn sie sind unser Stamm.
Sagt, dass ihr sie liebt, weil sie nicht immer bei euch sein werden. Schenkt euren Partnern eine Umarmung und ein Lächeln, wann immer es geht, denn das Leben wird nicht gemessen an der Anzahl der Atemzüge, sondern an der Anzahl der Augenblicke, die uns des Atems berauben.

Geht es dir genauso, wenn du diese Bilder siehst? Wenn du darüber nachdenkst, wie dein Leben eigentlich läuft? Ich würde mich wirklich über Kommentare freuen. Über einen Gedankenaustausch zu diesem Thema was mich als Funkenstifter sehr berührt.
Es gibt von allem Zuviel, doch ich denke, die Kunst liegt darin, sich zu erinnern wie man eigentlich wirklich lebt.

Eure

 

 

2 thoughts on “Gedankenanstoß: Es gibt von allem zu viel!

  1. Gero says:

    Hallo Lisa. Ist das noch aktuell? Habe mir gerade viele Gedanken darüber gemacht… Würde mich über eine Antwort freuen… Gero

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    1. Funkenstifter says:

      Hi Gero,
      klar ist das Thema aktuell. Das Zuviel in dieser Welt wird eher nicht weniger sondern mehr und ich schaue mir noch immer gerne Jimmy Nelsons Fotografien an.

      Mittlerweile lebe ich allerdings seit über einem Jahr in einer Jurte und das ständige draußen sein erdet mich und lässt mich oft innehalten. Diesen morgen zum Beispiel, bin ich mit dem Rufen einer Eule erwacht. Ich habe ihr lange gelauscht- das ist fast ein bisschen magisch.
      Ich denke es sind solche Kleinigkeiten die das Zuviel in der Welt ein paar wenige Herzschläge zu einem Ganzen vereinen.
      Und jeder muss für sich heraus finden wie ihm das gelingt. Sich mit der Natur beschäftigen und zu seinen Ursprüngen zurückzukommen hilft, meiner Meinung nach, sehr.

      In welche Richtungen gingen den deine Gedanken bei diesem Thema?

      Antworten

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