Frostnächte

Gefrorener Atem treibt durch die Luft.
Dunkelblau ist die Nacht. Die Schritte knirschen über tausende Kristalle. Das samtige Mondlicht füllt die Welt und mein Herz. Die Bäume recken sich mit tintenschwarzen Stämmen. Ein violetter Schimmer liegt auf den letzten Blättern. Die aufgescheuchten Gedanken kommen zur Ruh.
Gefrorener Atem treibt durch die Luft.
Die sonst schlammigen Pfützen tragen weiße zerbrechliche Ringe. Ich genieße das Wandern durch das schimmernde Alleinsein, während hinter doppelt isolierten Fenstern, in überhitzten Stuben, flackernde Unwirklichkeit über die Gesichter der Menschen huscht.
Gefrorener Atem treibt durch die Luft. Die ersten Sterne malen uralte Bilder in das Firmament. Ich lausche ihren stillen Geschichten, in denen Samen voller neuer Gedanken schlummern. Schaue vorbei an Flachdächern und Flachbildschirmen, an der imitierten Helle, der imitierten Sicherheit.
Gefrorener Atem treibt durch die Nacht und ich finde Geborgenheit in mir selbst. In knirschenden Schritten über weißen Blättern, in rauen Frostnächten.

Photo by Oscar Sutton on Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.